Zwei gleiche Federn

Schließ’ deine Augen und nimm meine Hand. Führe mich ein paar Schritte. Nur eine Drehung, zwei weitere Schritte, eine unangenehme Wendung und ich liege in deinen Armen. Wenn wir zusammen sind, sind unsere Bewegungen wie ein Tanz. So leichtfüßig, so unbeschwert. Wir sehen über die Fehler des anderen hinweg, halten mühelos mit dem Takt mit. Ein eingespieltes Team, selbst wenn auch ich jetzt meine Augen schließen würde.

Du bist der Possenreißer, der die Probleme auf sich lenkt, während ich mich im Schatten halte. Die Dunkelheit liegt auf mir genauso schwer, wie meine Bürde. Ist es die Gegensätzlichkeit, die uns einander so anzieht oder das Gefühl, als würden wir als einzige zu dem gleichen Lied tanzen?

Du bist mein Possenreißer, mein Glücksgefühl, der unterschätzte Schauspieler.

 

Mein Atem ist schwer. Schließ’ nicht deine Augen, ich bin auf dich angewiesen! Der Nervenkitzel in jedem Kampf pulsiert wie meine Lebensessenz durch meinen Körper, will mehr, ist hungrig. Die Federklingen im Anschlag würde ich mich jedem stellen. Wer sollte mich auch schon aufhalten? Ich bin in meinem Element, sucht ruhig die Herausforderung in mir, ich werde sie annehmen! Das Blut tropft von den feinen Federn, macht sie schwer von meinem Sieg.

Der Federschaft glänzt im trüben Licht der Dämmerung und ich mache mich bereit. Ein Schatten, schneller als erwartet, bewegt sich auf mich zu. Ein kurzes Blinzeln und ich werde zurückgeworfen, spüre die Klingen, die sich in mein Fleisch graben. War ich so unaufmerksam? So unterlegen… ? Ich mühe mich ab, lass meine Federn auf Rüstung prallen, zieh sie zurück, bewege mich tänzelnd um meinen Feind herum, doch der Ninja ist schneller, ist gerissener als ich. Schützend halte ich die Hände vor mich, geh in die Knie. Ich hab mir nie gestattet meine Augen zu schließen. Schwäche sollte nicht das sein, was mich regiert. Wenn ich falle, dann fällt alles. VIelleicht habe ich mir mehr Bürde auferlegt, als gut für mich ist, doch wer sollte sie sonst tragen und wer würde sie so stolz tragen wie ich? Doch in diesem Moment, in diesem verwundbaren Moment, zweifel ich an mir, fühle mich nicht stark genug. Ich atme aus und kneif meine Augen zusammen. Schicksalsergeben.

Ein Luftzug, ein vertrauter Geruch und ich öffne sie wieder. Deine Hand berührt mich, will sicher gehen, dass es mir gut geht. Du hilfst mir auf und unsere Blicke treffen sich, während deine Arme sich sacht um mich legen. Einen magischen Moment ist der Kampf vergessen, während du mich eingehend betrachtest, ein wenig Sorge in deinem Blick, als du meine Wunden bemerkst. Als du festgestellt hast, dass es mir gut geht, wendest du dich wieder unserem Gegner zu. Ich schließ’ nicht meine Augen, das wird die Probleme nicht lösen. Unsere Bewegungen sind gleichmäßig, wie ein Tanz auf dem blutüberströmten Boden. Du bist die Ablenkung, ich das tödliche Ende. Der Kriegstänzer und der violette Rabe. Der Applaus gilt dir, doch der Sieg wird stets meiner sein.

 

Schließ’ nicht deine Augen, du musst sie für mich offen halten, musst mich beschützen, für mich einstehen. Du bist der Künstler, deine Schritte so leichtfüßig wie bestimmt. Lenk’ sie alle von mir ab, gib mir die Ruhe, die Probleme zu lösen. Gib mir die Ruhe, neue Kraft zu sammeln, durchzuatmen, auch wenn meine Bürde auf meiner Brust ruht und sie mir zuschnürt, als würde jeder Atemzug sie vergrößern.

Sag meinen Namen, wenn ich es beenden soll. Ich sag deinen Namen, wenn ich nicht mehr kann. Lass uns dieses Versprechen geben und wir werden unbesiegbar sein.

 

Doch am Ende des Tages möchte ich nicht meine Bürde tragen, möchte sie einen Moment ablegen. Mein Blutdurst wird für einen Moment gestillt sein, wird mich nicht mehr zerfressen, mich durch die Welt treiben im ewigen Rachefeldzug. In diesem Moment möchte ich nur bei dir sein, deine Liebe spüren und dir meine geben. Wir haben kein Zuhause, für uns scheint kein Licht mehr. Wir haben nur noch einander und die Hoffnung auf den Sieg.

Ich liege in deinen Armen. Sie sind mein Zuhause, meine Geborgenheit. Deine Hände streicheln sanft meine Wange. Könnten diese Augen jemals Kritik für mich übrig haben?

Am Ende des Tages möchte ich nicht mehr kämpfen, will in deinen Armen liegen, deine Berührungen spüren. Am Ende des Tages sind wir nicht der Kriegstänzer und der violette Rabe, so unterschiedlich, wie Tag und Nacht. Wir sind dann nur noch eines und vor allem Eins. Am Ende sind wir die Liebenden.

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Federleichte Sorgen

Ich stehe auf einer kleinen Brücke und blicke verträumt in das Wasser des Baches, der sich unter mir seinen Weg durch die Landschaft bahnt. Die Sonne scheint durch das Blätterdach der Bäume, die an dem Bächlein ihre Wurzeln geschlagen haben und lässt das Wasser wie einen Kristall glitzern.

Ich atme tief ein und genieße die frische Luft. Ein zarter Windhauch streicht über mein Gesicht, durch mein Haar und lässt mich glauben, deinen Geruch wahrzunehmen. Ich schließe die Augen, lass mich von meinen Gedanken treiben, während mein Herz sanftmütig in meiner Brust schlägt und von deiner Nähe träumt. Wie sehr es doch deine Liebkosungen vermisst! Das warme Gefühl, wenn deine Haut sich sanft an meine schmiegt, wenn dein Atem sanft über meinen Hals streicht und die Leidenschaft, die in mir entflammt wird, wenn deine Lippen mich sanft berühren. Längst hat mein Herz alle Ängste der vergangenen Nacht, den Hass der letzten Jahre vergessen, auch wenn es irgendwo noch weiß, dass tief in ihm diese Schmerzen weiter bestehen, auch wenn sie in diesem Moment nicht zu existieren scheinen.

Ich öffne wieder meine Augen, blicke hinauf zum blauen Himmel. Die Stille der Natur umgibt mich wie ein schützender Mantel und doch werde ich plötzlich aus meinen Gedanken gerissen. Mein Blick verharrt auf einer Feder, die langsam durch die Luft schwebt. Sanft zieht sie ihre Bahnen und landet nach mehreren Augenblicken auf meinem Haupt. Ich nehme sie herunter und betrachte sie einige Momente mit äußerster Sorgfalt, während ich sie leicht zwischen meinem Daumen und meinem Zeigefinger drehe. Ich denke kurz nach und wandere dann mit meinen Augen wieder himmelwärts und starre durch das Grün der Blätter, versuche etwas am Himmel zu entdecken, doch die Sicht bleibt mir von den umherstehenden Bäumen verwehrt. Enttäuscht und besorgt zugleich senke ich wieder meinen Blick. Oh, mein Ikarus! Bitte verbrenn‘ dir beim Versuch meine Seele zu retten nicht deine Flügel!

Schneenacht

Die Schneeflocken ziehen ihre Bahnen durch die kalte Luft, lassen sich vom Nordwind tragen und durch die finstere Nacht begleiten. Niemand beobachtet uns, niemand stört diesen einzigartigen Moment.

Du legst deine warme Hand an meine Hüfte, während die andere meine rechte Hand sucht und sanft umschließt. Ich spüre deinen heißen Atem auf meiner nackten Haut, wie er sie gleichmäßig streichelt. Deine Brust schmiegt sich sanft an meine, unsere Herzen im selben Takt vereint. Du führst mich durch den Schnee, durch die Stille, durch die Nacht, die nur uns gehört. Du hältst mich fest, löst nicht einmal für Augenblicke die Umarmung. Unsere heißblütigen Körper verschmelzen sich, lassen uns Eins werden mit der Zeitlosigkeit der Sterne, mit der alles verzehrenden Ewigkeit…

…. Und wir tanzten im Schnee heute Nacht.