Federleichte Sorgen

Ich stehe auf einer kleinen Brücke und blicke verträumt in das Wasser des Baches, der sich unter mir seinen Weg durch die Landschaft bahnt. Die Sonne scheint durch das Blätterdach der Bäume, die an dem Bächlein ihre Wurzeln geschlagen haben und lässt das Wasser wie einen Kristall glitzern.

Ich atme tief ein und genieße die frische Luft. Ein zarter Windhauch streicht über mein Gesicht, durch mein Haar und lässt mich glauben, deinen Geruch wahrzunehmen. Ich schließe die Augen, lass mich von meinen Gedanken treiben, während mein Herz sanftmütig in meiner Brust schlägt und von deiner Nähe träumt. Wie sehr es doch deine Liebkosungen vermisst! Das warme Gefühl, wenn deine Haut sich sanft an meine schmiegt, wenn dein Atem sanft über meinen Hals streicht und die Leidenschaft, die in mir entflammt wird, wenn deine Lippen mich sanft berühren. Längst hat mein Herz alle Ängste der vergangenen Nacht, den Hass der letzten Jahre vergessen, auch wenn es irgendwo noch weiß, dass tief in ihm diese Schmerzen weiter bestehen, auch wenn sie in diesem Moment nicht zu existieren scheinen.

Ich öffne wieder meine Augen, blicke hinauf zum blauen Himmel. Die Stille der Natur umgibt mich wie ein schützender Mantel und doch werde ich plötzlich aus meinen Gedanken gerissen. Mein Blick verharrt auf einer Feder, die langsam durch die Luft schwebt. Sanft zieht sie ihre Bahnen und landet nach mehreren Augenblicken auf meinem Haupt. Ich nehme sie herunter und betrachte sie einige Momente mit äußerster Sorgfalt, während ich sie leicht zwischen meinem Daumen und meinem Zeigefinger drehe. Ich denke kurz nach und wandere dann mit meinen Augen wieder himmelwärts und starre durch das Grün der Blätter, versuche etwas am Himmel zu entdecken, doch die Sicht bleibt mir von den umherstehenden Bäumen verwehrt. Enttäuscht und besorgt zugleich senke ich wieder meinen Blick. Oh, mein Ikarus! Bitte verbrenn‘ dir beim Versuch meine Seele zu retten nicht deine Flügel!

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